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Warum findet Israel keinen Frieden?

Nur 70 Kilometer weiter südlich: Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis. 70 Jahre nach der israelischen Staatsgründung 1948. Weil es nicht nur Tel Aviv, sondern auch Jerusalem gibt! Ein heiliger Ort: Für Christen, die glauben, hier sei Jesus gekreuzigt worden. Für Muslime, die glauben hier sei Mohammed in den Himmel aufgestiegen. Und Juden. Die Klagemauer am Tempelberg in Jerusalem – glauben Juden seit mehr als 2000 Jahren – ist der Ort, an dem sie mit Gott in Kontakt treten können. Um die Konflikte in Israel verstehen zu können, muss man also in die Vergangenheit reisen. Bereits vor Christi Geburt hatten die Juden rund um Jerusalem ihr Königreich: Israel. Vertrieben wurden sie von den Römern.

Immer wieder wurden Juden seitdem verfolgt. Als Verräter Christi im Mittelalter oder um 1900: Schon vor Hitlers Machtergreifung macht sich Judenhass in Europa breit. Vielerorts gibt es Hetze, Plünderungen, Vergewaltigungen, Morde. Immer mehr Juden wünschen sich einen eigenen Staat, als Zufluchtsort. Jerusalem ist zu diesem Zeitpunkt noch Teil des großen Osmanischen Reich. Dieses Reich gehört neben Deutschland zu den Verlierern des Ersten Weltkriegs. Großbritannien als Besatzungsmacht verspricht Juden, sie beim Aufbau eines eigenen Staates zu unterstützen. Macht aber auch Arabern Hoffnung, die Region könne Teil eines großarabischen Reiches werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschließen die Vereinten Nationen eine Teilung des umstrittenen Landes. Palästinenser – im blauen Gebiet – wie Juden sollen eine Heimat bekommen.

Nach dem Holocaust will die Staatengemeinschaft den Juden nicht länger einen eigenen Staat verwehren. Jerusalem soll international verwaltet werden. Die Juden sind einverstanden. Arabische Anführer nicht. Sie wollen das Land für sich allein. Am 14. Mai 1948 ruft der jüdische Politiker Ben Gurion den israelischen Staat aus. Mächtige Länder wie die USA oder die Sowjetunion erkennen Israel an. Sofort greifen arabische Länder an. Doch Israels Staatsgründer sind vorbereitet. Eine zuvor gebildete israelische Untergrundarmee schlägt die Araber zurück und vergrößert das Staatsgebiet Israels. Und die restlichen Palästinenser-Gebiete? Der Gaza-Streifen wird von Ägypten besetzt. Das Westjordanland von Jordanien. 700.000 Araber verlieren ihre Heimat. Mehr als 700.000 Juden genauso. Durch Flucht. Oder Vertreibung aus arabischen Staaten. 1967: der nächste Krieg. Wieder gelingt es Israel, arabische Staaten zurückzudrängen. Israel besetzt den Gaza-Streifen, das Westjordanland, die Golanhöhen und den arabischen Osten Jerusalems. 1967: Ein entscheidendes Jahr, warum Israel keinen Frieden findet. Die Arabische Liga lehnt damals Friedensverhandlungen mit Israel ab.

So wird Israel bis heute zur Besatzungsmacht. In den folgenden Jahrzehnten gibt es viele Konflikte, Aufstände von Palästinensern. Wie die erste Intifada Ende der 80er Jahre. Aber es gab auch Friedensverhandlungen und – ein bisschen Frieden… Einen Friedensvertrag mit den Nachbarn Ägypten oder Jordanien etwa. Dann: Das Jahr 2005! Israel räumt den eroberten Gaza-Streifen. Jüdische Siedlungen dort werden von der israelischen Armee abgerissen. Doch das bringt keinen Frieden. Seit 2007 wird Israel immer wieder aus dem Gaza-Streifen mit Raketen beschossen. Terroristen versuchen, durch Tunnel ins Land einzudringen. Für viele Israelis der Beweis, dass ein Frieden mit Palästinensern nicht möglich ist. Viele andere jüdische Siedlungen im besetzten Westjordanland hat Israel nicht geräumt.

Nach internationalem Recht sind alle illegal. Für Palästinenser der Beweis, dass Israel ihnen keinen eigenen Staat zugestehen will. Und dann ist da ja auch noch Jerusalem. Die Stadt, die allen heilig ist. Die Stadt, die Israelis wie Palästinenser als Hauptstadt wollen. In Tel Aviv finden viele Menschen die Diskussion befremdlich. Sie sagen: In Jerusalem wird gebetet, in Tel Aviv gefeiert und gelebt. Bloß: Diese Entspannung ist offenbar in der Konfliktregion nicht mehrheitsfähig… Israelis und Palästinenser finden keinen Frieden.

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