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Die Wirtschaftslage in der Türkei

Die türkische Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 7,4 Prozent gewachsen. Die türkische Lira hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren- um bis zu 20 Prozent.

Spitze beim Wirtschaftswachstum und dramatischer Kursverfall der Währung – wie passt das zusammen? Obwohl die offizielle Prognose für die türkische Wirtschaft weiterhin gut sind, ist die Lira weiter im Abwärtstrend: Musste man im vergangenen Jahr noch 3,7 Lira auf den Wechseltisch legen um einen Euro zu bekommen, waren es im Juni 5,5 türkische Lira Grund dafür ist auch die Befürchtung von Investoren, dass Präsident Erdogan nach den Wahlen in die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank eingreift. „Werden sie eine aktivere Rolle in der Geldpolitik spielen?“, fragt ein Wirtschafts-Journalist den türkischen Präsidenten. „Ja, das wird manchen zwar nicht gefallen, aber es wird nötig sein“, antwortet dieser. Folge des Interviews: die Lira rutscht steil ab. Erdogan versucht die Türken zu Stützkäufen zu bewegen: „Tauscht Dollar und Euro, die ihr unter dem Kopfkissen habt, in Lira!“, fordert er bei einem Wahlkampfauftritt seine Anhänger auf.

Der Wertverfall ist allerdings so drastisch, dass die Zentralbank eingreift. Sie erhöht den Leitzins, also den Zins zu dem sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen Immer wieder bis auf 17,75% im Juni. Obwohl Erdogan erklärter Gegner von Zinsen ist. Denn steigende Zinsen bremsen zwar den Kursverfall einer Währung – aber eben auch das Wirtschaftswachstum. Letzteres möchte Erdogan verhindern.

Deshalb pumpt der türkische Staat seit den Terroranschlägen 2015 dem Putschversuch 2016 kräftig Geld ins System. Ein Kredit-Garantiefond sorgt dafür, dass Unternehmen immer wieder frisches Geld bekommen. Damit können Gehälter weiter fließen, Bürger weiter konsumieren und die Arbeitslosigkeit bleibt stabil. Das führt zu beachtlichem Wachstum, leider aber auch zu einer beachtlichen Inflation von mehr als 12%.

Das heißt: alles wird teurer. Außerdem sitzen Staat und Unternehmen auf einem gigantischen Schuldenberg. Ein Problem sind vor allem die enormen Auslandschulden. Und die entstehen durch das enorme Handelsdefizit der Türkei. Sie führt wesentlich mehr ein, als sie ausführt. Dieser Trend verstärkt sich noch. Da die Importe zum guten Teil in Ausländische Währung bezahlt werden müssen, wächst der Schuldenberg im Ausland. Diese Schulden und die Zinsen darauf sind durch die schwache Lira immer schwerer zu bedienen.

Die Konsequenz: Alle wichtigen Rating-Agenturen haben große Unternehmen, wie „Turkish Airlines“ und den Mobilfunkriesen „Turkcell“ herabgestuft. Der größte türkische Lebensmittelkonzern „Ülker“ galt sogar schon als insolvent und musste mit Geld vom Staat umgeschuldet werden. Auch türkische Staatsanleihen haben die Ratingagenturen mittlerweile herabgestuft – auf Ramschniveau. Und so könnten Schuldenberg und schwache Lira recht bald zum echten Problem werden.

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